Jul 30 2010
Zahnärzte brauchen keine Patienten - Das Vertretungssystem in Deutschland ist eine Katastrophe
Was ist das für ein miserables Gesundheitssystem:
Gestern Eckzahn abgebrochen, keine Schmerzen aber ich sehe aus wie ein Rugby-Spieler nach einem besonders bösen Foul …
Mein Zahnarzt (Dr. Segschneider in Bad Homburg, eigentlich ein sehr guter Zahnarzt!) hat Urlaub. Auf dem Band wird an 3 Vertretungen verwiesen (Dr. Weber, Dr. Papke und Dr. Nick). Diese sind aber alle im Urlaub und verweisen teilweise zurück zu meinem Zahnarzt. Nächsten Zahnärztin angerufen, die sagt, Sie wäre ja wohl nicht die Vertretung meines Zahnarztes und außerdem hätte Sie ja eine Baustelle. Da könnte Sie sich nicht auch noch um andere Patienten kümmern (Danke, Frau Dr. Gonnermann in Bad Homburg für diese klare Ansage. Ich weiß jetzt schon mal, zu welchem Zahnarzt ich nicht gehen möchte). Frau Dr. Schmidt, die Zahnärztin meiner Frau versucht, ist aber auch im Urlaub.
Nächster Schritt: die Krankenkasse angerufen um zu Erfahren, welcher Zahnarzt denn nun für mich zuständig wäre. Die dürfen aber keine Auskunft oder Empfehlungen geben. Wäre ja gemein, wenn man die wenigen Ärzte, die nicht im Urlaub sind, auch noch Bevorteilen würde … Aber einen Verweis an die kassenzahnärztlichen Vereinigung hat man mir dort freundlicherweise gegeben. Dort gäbe es eine Zahnarzt-Suche. Die habe ich auch gleich ausprobiert - zumindest wollte ich das. Allerdings bekam ich den Hinweis “Seite nicht gefunden” angezeigt. Beim 2. Anlauf bekam ich dann aber doch noch die Suche zu sehen. Das Ergebnis: Eine Liste aller Zahnärzte mit Telefonnummer - aber ohne Hinweis auf Sprechstunden oder Urlaubszeiten. Da sind sogar die gelben Seiten besser, weil es dort neben der Telefonnummer z.B. noch eine Anfahrt-/Map gibt und man sogar eine Visitenkarte an das Handy schicken kann um die Kontaktdaten gleich im Adressbuch zu speichern. So etwas brauch eine Ärztliche Vereinigung natürlich nicht - so’n neumodischer SchnickSchnack. Internet und Mobile Dienste werden doch sowieso total überbewertet …
Ein ähnliches Beispiel hatte ich schon einmal vor gut einem Jahr: Da hatte ich an einem Mittwoch Mittag plötzlich eine Nierenkolik. Da Mittwochs ja bekanntlich bei unseren Ärzte kollektives Füßehochlegen angesagt ist, habe ich die Notrufzentrale angerufen. Diese verwies mich an das Krankenhaus in Bad Homburg, die außerhalb der normalen Sprechstundenzeiten Notdienst hätten. Dort angekommen, wusste man erst nicht, was ich dort wollte, Notdienst ist doch nur am Wochenende und Nachts. Der leitende Arzt hat sich dann trotzdem 5 Minuten Zeit für mich genommen um mir mitzuteilen, dass er mich nicht behandeln darf, außer ich würde mich von einem Arzt stationär einweisen lassen. Nicht einmal ein Rezept für ein Schmerzmittel hat man mir gegönnt (aber den Tipp, eine Wärmflasche auf die Nieren zu legen - Danke).
Auf Reisen finde ich auch im hintersten Zipfel der Zivilisation IMMER einen (Zahn)arzt, der mich behandeln möchte - meist sogar günstiger und trotzdem mit moderner Ausstattung. Bei uns in Deutschland beschweren sich die Ärzte, dass Sie kein Geld verdienen, allerdings findet sich auch keiner, der mich behandeln möchte. HALLO: Mit kollektivem Urlaub kann man auch kein Geld verdienen!!! Können Ärzte sich nicht einmal ordentlich untereinander absprechen? Ist das zu viel verlangt?
So, jetzt werde ich die Telefonkosten noch weiter in die Höhe treiben und versuchen, einen Bahndlungswilligen Zahnarzt in Deutschland zu finden. Wenn das nicht klappt, werde ich wohl am Wochenende die Deutsche Grenze überschreiten müssen um einen Zahnarzt im Ausland mit unseren Krankenkassen-Beiträgen zu unterstützen.
Foto: D. Sharon Pruitt from Hill Air Force Base, Utah, USA
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